Wie an jedem anderen der letzten 1099 Tage schleppte sich Gästebuch auch an diesem Morgen wieder zum Briefkasten, öffnete ihn, und blickte in eine erdrückende Leere. Wieder keine Nachricht. Kein "Hallo", kein "Wie geht's?", nicht mal ein "Ich bin ein afrikanischer Prinz und möchte Ihnen 1 Millionen Oiro schenken.".
Gästebuch wankte zurück in seine winzige Ein-Zimmer-Wohnung, setzte sich in den stark abgenutzten, früher einmal purpurroten, inzwischen nur noch durchfallroten Sessel und atmete tief durch. Dann öffnete Gästebuch behutsam die Schublade des kleinen Beistelltisches direkt neben ihn, und zog unter einer Schicht alter Fernsehzeitungen eine silberne Pistole hervor. Gästebuch blickte zur Tür. Genau eine Minute lang. Als würde Gästebuch auf jemanden warten, oder zumindest jemanden die Chance geben, doch noch an seine Tür zu klopfen. Aber es kam niemand. Draußen war Stille, und drinnen auch. Das änderte sich erst, als Gästebuch den Mund öffnete, den Lauf der Pistole hineinsteckte, und abdrückte.
